Hauptinhalt

samsung-metapace-bixolon-rage

Ein Etiketten- bzw. Bondrucker, den möglichst das ganze Netzwerk benutzen können soll, und der in der Anschaffung und im Unterhalt auch noch möglichst preisgünstig ist? Klingt nach einer realistischen Zielsetzung. Das Unternehmen entschied sich für einen "Metapace T-2" Thermodrucker, der Endlos-Bonrollen und auch Thermo-Etikettenrollen bedrucken kann. Schnittstelle ist der USB-Anschluss. Ein einstellbares automatisches Cut-Messer besitzt das Gerät ebenfalls.

Der erste Versuch startete mit dem Verbinden des Geräts an einem Windows 7 x64 Rechner. Der Beginn einer Odyssee. Auf der beiliegenden Treiber-CD und auch im Internet sind von Metapace nur 32 Bit Treiber erhältlich. Darüber schweigt aber die Produktbeschreibung sämtlicher Online-Shops und auch der Hersteller auf seiner Webseite selbst. Wunderbar, dass im gewerblichen Bereich kein 14-Tage Rückgaberecht existiert. Der Online-Shop zeigte sich ebenfalls nicht kulant und wollte das Gerät nicht zurücknehmen. (Wir haben die langjährige Lieferantenbeziehung dann auch beendet, das nur als Nebeninformation.) So beginnt die Recherche im Internet nach (selbstgebastelten) 64-Bit Treibern. Relativ schnell zeigt sich, dass der "Metapace T-2" baugleich zum "Bixolon SRP350Plus". Allerdings lässt sich dieser Treiber am freigebenden PC nicht installieren, weil die Gerätekennung des USB-Geräts "Metapace T-2" von sich gibt, und der Treiber nur zum "Bixolon SRP350Plus" kompatibel ist.

Von anderen zickigen Druckern weiß ich jedoch, dass man beliebige Treiber installieren kann, wenn der Drucker an einem benutzerdefinierten Anschluss betrieben wird, z.B. ein TCP-Anschluss oder ein Samba-CUPS-Drucker. Der freigebende PC müsste also ein Linux Betriebssystem mitbringen. Wir entscheiden uns für ein OpenSuse 11.4, andere Distributionen sollten jedoch ebenfalls kein Problem darstellen. Es geht nur um die Verfügbarkeit von CUPS und Samba.

Ein erster Versuch sieht vielversprechend aus. Der Drucker steckt am USB-Port des Rechners und lässt sich in der CUPS-Weboberfläche als erkannter Drucker auswählen. Ich wähle hier den RAW-Treiber mit Herstellerkennung "Raw" und Modellbezeichnung "Raw Queue". Das bedeutet, der Drucker nimmt nur "fertige" Aufträge entgegen, jedoch kein Postscript. Mit Linux und Linux-Clients wird man den Etikettendrucker dann nicht ansprechen können, das spielt jedoch für die Nutzung auch keine Rolle. Die Windows-Rechner sollen den Drucker ja benutzen.

srp350-cups

Mit den richtigen Samba-Einstellungen - Anleitungen für Druckerfreigabe mit CUPS und Samba sollten sich mit einer Suchmaschine schnell finden lassen - zeigt sich der Metapace auch schnell als freigegebener Drucker in der Windows-Netzwerkumgebung unter dem Rechnernamen der Linux-Maschine.

Ich verbinde mich nun an einem "Windows 2011 x64"-Server mit der Freigabe (Neuen "Local Port" erstellen mit Pfad zum Drucker, nicht über die Netzwerkfreigabe, sonst lässt sich der Drucker nicht freigeben!) und kann nun den Bixolon-Treiber manuell von einem Dateipfad auswählen. Die Ernüchterung folgt sogleich. Der Ausdruck einer Testseite am Server ist erfolgreich, jedoch wird ein Druckversuch an einem Netzwerk-Client mit einem Fehler quittiert. Endlose Recherchen in Foren und Mailinglisten bringen mich auch nicht weiter, die Fehlercodes aus dem Windows-Fehlerprotokoll zeigen mir nur informative Meldungen wie "Unbekannter Fehler" oder irgendwelche Speicheradressen. Es muss also ein Treiberproblem vorliegen. Zur Sicherheit lese ich auch die Log-Dateien des Linux-Rechners. Auch hier nur unbrauchbare Fehler bezüglich Verbindung.

metapace-allgemeinmetapace-connect

Ich unternehme zwischenzeitig einen weiteren Versuch und schließe den Drucker an einen alten "Windows 2000" PC an. Hier kann ich den 32-Bit Herstellertreiber benutzen, eine Testseite lässt sich auch ausdrucken. Verbindet man sich mit Druckerfreigaben älterer Windows-Versionen, kann man ebenfalls am "Windows 7 x64"-Rechner manuell einen Treiber auswählen. Ich versuche nochmal den Bixolon-Treiber und siehe da: Eine Testseite wird sowohl an Windows-Server, als auch Client erfolgreich ausgedruckt.

Da der "Windows 2000"-Server allerdings ein Riesenklotz ist und es alleine aus ökologischen Gründen keinen Sinn macht, Tag und Nacht eine Maschine für einen Bondrucker laufen zu lassen, versuche ich mich nochmals an der Linux-Lösung. Aus der eben gemachten Erfahrung tippe ich darauf, dass der Treiber am "Windows 2000"-Rechner beim Druck einige zusätzliche lokal-generierte Daten mitliefert, das heißt, der Raw-Treiber aus CUPS ist ungeeignet. Ich begebe mich wieder auf die Recherche nach Linux-Treibern für Metapace/Bixolon und werde nach mehreren Stunden fündig. Der Metapace-/Bixolon-Drucker wurde früher von Samsung produziert. Wunderbar, der dritte Hersteller im Bunde. Samsung hatte vor vielen Jahren an der Entwicklung von Linux-Treibern für Bondrucker gearbeitet. Ich finde in endlosen Listen voller Forenbeiträge eine ZIP-Datei mit einer ersten Treiber-Beta für CUPS. Das Archiv enthält eine PPD-Datei, die sich bequem über das CUPS-Webinterface einspielen lassen sollte.

Soweit die Theorie. CUPS verweigert die Annahme der PPD-Datei, sie ist voller Fehler und fehlerhafter Verweis-Ziele. So leicht gebe ich mich jedoch nicht geschlagen, schließlich sind einige Jahre vergangen, und vermutlich haben sich einige Paketabhängigkeiten weiterentwickelt, sodass Programmfunktionen und Befehle andere Namen haben.

Schritt für Schritt gehe ich jedem Fehler der PPD-Datei mit Hilfe der Linux-Konsole und dem Tool "cupstestppd" (im CUPS Paket enthalten) auf den Grund. Zunächst war die PPD-Datei mit dem Windows-Zeilenumbruch gespeichert (Kovertierung zu UNIX-Zeilenumbruch), anschließend musste der Verweis auf "cupsomatic" auf "foomatic" umgeändert werden. Zuletzt noch einige Syntaxfehler korrigieren, und die PPD-Datei wird mit "cupstestppd" als fehlerlos eingestuft. Diese Schritte habe ich nur für den "SRP350" durchgeführt, im Treiber-Archiv waren jedoch noch weitere PPD-Dateien für andere "Samsung Miniprinter" bzw. heute Bixolon-/Metapace-Geräte. Mit analoger Vorgehensweise sollten sich auch diese PPDs bereinigen lassen.

Ich starte den nächsten Versuch, den "Metapace T-2" mit der CUPS-Verwaltung zu installieren, und siehe da: Der Bondrucker wird anstandslos als "Metapace T-2 with driver Samsung SRP 350, Foomatic + srp350" eingerichtet. Ich starte zur Sicherheit sowohl den CUPS-Dienst, als auch den Samba-Dienst neu und verbinde mich anschließend wieder vom "Windows 2011"-Server aus. Als Treiber wähle ich nun den 64-Bit-Treiber von Bixolon. Eine Testseite ist erfolgreich. Ich gebe den Drucker nun im Netzwerk frei und verbinde mich von einem "Windows 7 x64"-PC mit dem freigegebenen Drucker am "Windows 2011"-Server. Der Client installiert automatisch die Bixolon-64-Bit Treiber vom Server, wie es eben in einer Domäne für den Otto-Normal-Nutzer sein sollte. Ein surrendes Geräusch gefolgt von einem lauten Schnitt zeigt mir, dass meine dreitägige Beschäftigung von Erfolg gekrönt war. Von jedem Client im Domänen-Netzwerk kann der Etikettendrucker von der Windows-Server-Freigabe angesprochen werden und der Rechner installiert ohne Zutun des Benutzers die Bixolon-Treiber vom Server. Falls sich im Netzwerk auch 32-Bit-Clients befinden sollten, lässt sich natürlich auch der 32-Bit-Bixolon-Treiber am Server freigeben.

metapace-freigabemetapace-about

Ich hoffe, mit meiner Beschreibung eine gewisse Hilfestellung für analoge Probleme mit zickigen Druckern aller Art geben zu können. Anbei finden sich noch meine PPD-Datei für den "Metapace T-2" aka "Bixolon SRP350Plus" aka "Samsung SRP350", sowie einige Weblinks zum Thema.

  1. Verschiedene Treiber für POS-Systeme: http://www.quad.de/ftp/index.php (Hier findet man auch den fehlerhaften "Samsung SRP 350/270-Linux-Druckertreiber, auch USB (Epson-kompatibel)", der meine Basis darstellte. PPD-Dateien für CUPS von SRP350, SRP270 und STP130)

  2. Samba-Howto-Sammlung: http://gertranssmb3.berlios.de/output/ (Interessant ist vor allem alles über die Freigabe von Druckern.)

  3. CUPS-Dokumentation: http://www.cups.org/doc-1.1/sam.html (Interessant sind erstmal nur die Passagen für Einsteiger, das Webinterface ist zumeist selbsterklärend und über http://LINUX-COMPUTER-NAME:631/ im Browser erreichbar. Firewall-Port gegebenenfalls freigeben!)

  4. Korrigierte PPD-Datei für SRP350: SRP350.zip
  5. Zugrundeliegendes Paket mit Sourcen und PPD-Dateien samslin.zip